Rom 2008 - Studienfahrt in die ewige Stadt

29. November 2008

Rom_2008_Im_Theater.jpgMehr Bilder im Fotoalbum

Nachdem die Schlafwaggons in München bezogen worden waren, überquerten wir die Alpen wie einst Hannibal - nicht wirklich viel bequemer als auf Elefanten. Es holperte, krachte und wehte zugig durch die kaum zu öffnenden Fenster, doch rettete uns das wenigstens vor dem Ersticken. Kurz gesagt: Es war einfach nur eng, aber durchaus abenteuerlich.

Am nächsten Morgen - ohne wirklich geschlafen zu haben - endlich in Rom: Gewaltmarsch zum Hotel und ohne Pause auf zur Erkundung der Stadt, denn es gab viel zu sehen. Mit der Metro ging's dann erstmal von unserer Stazione Termini zur Spanischen Treppe, schnell ein Gruppenfoto geschossen, dann weiter an Gucci vorbei Richtung Petersdom. Interessantes gab es über den Petersdom und das Papsttum zu hören, noch Interessanteres passierte direkt neben den Referenten. Wild gestikulierend beschwor ein etwas seltsamer Einheimischer nicht nur die Tauben, sondern vor allem das Ende der Welt herauf: „La musica è finita".

Mit Schultern und Knie bedeckt gingen wir dann als 25 von täglich 20.000 Besuchern in den gigantischen Petersdom hinein und hatten Zeit uns zwischen den konservierten Päpsten und prunkvollen Statuen umzusehen, bevor wir den 537 Stufen langen Aufstieg zur 120m hohen Kuppel wagten, von wo aus einem ganz Rom zu Füßen liegt.

Nächstes und zum Glück auch letztes Ziel des Abends: Die Piazza Navona mit ihren wunderschönen Brunnen. Also die Stufen wieder runter und quer zurück durch Rom zu der Piazza (das ehemalige Stadion, das im Mittelalter für Wasserspiele sogar komplett geflutet wurde). Am Abend ging's dann zum ersten Mal italienisch Pizza essen und dann nach dem langen Tag auch ins Bett.

Dienstags ging's dann direkt nach der Grundversorgung mit Lebensmitteln im Supermarkt auf der anderen Straßenseite wieder in die Metro, aber diesmal zum Kolosseum, bei dessen Eröffnungsfeierlichkeiten eine große Anzahl von Gladiatoren und 5000 wilde Tiere getötet wurden. Die Route ging weiter am Konstantinsbogen vorbei ins Forum Romanum. Heute ein Ruinenfeld, in der Antike kultureller Mittelpunkt der Welt. Und hier entdecken wir auch die Curia, das Rathaus, und die Rednerbühne (rostra) ... von hier aus also haben Cicero und Co uns ihre unzähligen Reden zum Übersetzen im Lateinunterricht vermacht. Dann lieber schnell weiter nach einem letzten Referat über den Vesta-Kult und ab zum Pasta-Essen in der kurzen Mittagspause.

Nachmittags besichtigten wir nicht nur die Kapitolinischen Museen mit berühmten Bronzestatuen wie dem Dornauszieher und der Kapitolinischen Wölfin, sondern wagten uns auch noch auf den Palatin - einen der sieben Hügel und ältesten bewohnten Teil der Stadt. Und obwohl unsere Sohlen schon lange brannten, ließen wir es uns nicht nehmen, abends auch noch am Circus Maximus und dem Hercules-Tempel vorbeizuspazieren und unsere Hand (nicht) in die Bocca della verità zu stecken. Im Anschluss erzählte uns Herr Heuler eine Anekdote zu dem Forum Boarium (dem Rindermarkt, auf dem es früher unheimlich gestunken haben muss) und wir versuchten auch noch, die Inschrift auf einer Brücke zur Tiberinsel zu übersetzen. Dafür gab's auf der Insel dann aber noch ein Eis, bevor wir auch diesen Abend wieder selbst gestalten durften und uns für die Spanische Treppe entschieden. Treffpunkt für vor allem deutsche Gruppen und viele Inder, die einem von Bier über Rosen bis hin zu zwei kleinen Magneten, die knistern, wenn man sie nahe beieinander in die Luft wirft, „cheap cheap" alles verkaufen. Der Straßenmusiker John aus Boston darf da natürlich auch nicht fehlen und so geht ein lustiger Abend vorbei, bevor die letzte Metro leider schon um 23:30Uhr Richtung Hotel abfährt.

Am Mittwoch dann hatten wir die Gelegenheit, uns mit Proviant auf dem Campo de‘ Fiori einzudecken und uns für den Tag zu stärken: Heute ging's nämlich zum Schwimmen ans Mittelmeer. Also schnell die Badehose angezogen und rein in die (kalten) Fluten. Pädagogisch wertvolles Zwischenziel: Ostia antica, eine Vorstadt von Rom mit Hafen (heute ist das Meer einige km entfernt) und vielen Thermen. Die Thermen waren leider nicht mehr in Betrieb, dafür hatten wir den Blick frei auf die kunstvoll gearbeiteten Bodenmosaike der Neptunthermen. Außerdem bestaunten wir neben einem großen Theater auch noch einen geheimen Mithrastempel und wirklich „öffentliche" Toiletten: Im Kreis herum fließt Wasser, man sitzt sich als Römer in einem Raum gegenüber und plaudert ganz gemütlich, während man sein Geschäft verrichtet.

Privates Abendprogramm: Piazza Navona, wo plötzlich vor der brasilianischen Botschaft ein riesiges Fest steigt und uns ein Einheimischer 20 Minuten lang den Weg zu einer „wirklich guten" Pizzeria zeigt ...

Donnerstags musste man sich entscheiden: Lieber eine Tour durch Rom an der Fontana di Trevi und der besten Gelateria der Stadt vorbei und davor noch in die Kapuzinergruft, wo echte Knochen von unzähligen Kapuzinern schaurig und ethisch fragwürdig zu bizarren Kunstwerken zusammengesetzt sind, die die Vergänglichkeit darstellen sollen. Oder doch lieber die berühmten Kunstschätze der Vatikanischen Museen bestaunen, darunter auch die Sixtinische Kapelle?

Bei der Tour durch Rom trafen wir auf jeden Fall einen lustigen Zeitgenossen: „Barberini". Von den Italienern als „Il matto" (der Schwachsinnige) bezeichnet, steht er hier in der Nähe der Metrostation Barberini Tag für Tag an einem Brunnen und winkt den Leuten zu, schneidet Grimassen, tanzt, legt Showeinlagen hin, spuckt Wasser in die Luft und schreit unverständliches Zeug - mit einer Art Kopfhörer auf den Ohren.

Nachmittags ging's dann wieder zusammen am Ara Pacis weiter. Achtung! In dem Gebäude bitte auf keinen Fall fotografieren und sich noch viel weniger irgendwo hinsetzen ... darauf achten die zig Betreuer penibel genau. Auf dem Weg zum Pantheon gerieten wir unverhofft in die Nähe einer iranischen Demonstrationsfeier, die große Fahnen schwenkte und in Sprechchören „Viva Maryam, Maryam viva" immer und immer wieder wiederholte, als diese Politikerin keine 10m vor uns durch die Reihen ging und in ihr Auto stieg. Was am Pantheon am meisten auffällt, ist das große Loch (Opaion) in der Kuppel, durch das viel Licht, aber genauso auch Regen einfällt.

Die Woche war leider schon fast vorbei und deshalb gab es jetzt nach einem Kaffee noch den gesamten, sonnigen Nachmittag zur freien Verfügung: Zum Ausruhen, zum Selbsterkunden und zum Kaufen kleiner Geschenke für die Lieben daheim. Beim Schlendern durch die Stadt gerieten wir gleich in eine weitere Demonstration, als plötzlich 10.000 Studenten durch die Straßen zogen und den kompletten Verkehr lahmlegten. Jetzt war es wenigstens nicht mehr gefährlich über die Straße zu gehen, was sonst bei dem Fahrstil der Römer doch ein durchaus gefährliches Unterfangen war.

Für den Abend hatten wir uns zu einem gemeinsamen Abschlussessen in einem wirklich günstigen, aber nichtsdestoweniger guten Restaurant verabredet. Gefährlicher als angenommen  erwies sich allerdings der Weg dorthin, der unter Bäumen durchführte, von denen aus Milliarden von Vögeln unablässig kackten und kackten und kackten. Caesar würde schreiben: Pauci de nostris cadunt. Doch auch die Vögel und die vereinzelten „Treffer" konnten unsere Stimmung nur noch weiter heben und gegen Mitternacht und später klang der Abend - nachdem der Bus nach fast einer Stunde doch noch kam - an der Spanischen Treppe aus.

Am Tag der Rückreise ging's in die düsteren Calixtus-Katakomben hinab, in denen die ersten Christen schon ihre Toten bestatteten, was uns unsere deutschsprachige Führerin komplett auswendig (man hätte sie nicht von einer Tonaufnahme unterscheiden können) runterratterte. Jetzt nur nicht in den engen Gängen verirren oder in dem Labyrinth falsch abbiegen, ansonsten wird das mit der Rückfahrt (auch wenn die Grabnischen ein wenig an das Schlafwaggonzugabteil erinnerten) wohl nichts mehr.

Die Lateranbasilika bildete mit ihren mächtigen Marmorstatuen jedes einzelnen Apostels den Abschluss dieses umfangreichen, aber interessanten und unterhaltsamen Wochenprogramms unserer Studienfahrt. Und während wir am letzten Freitag unsere letzte freie Zeit in Rom genießend noch so über einen Markt schlenderten, konnte es eigentlich keiner wirklich fassen, dass es heute Abend schon wieder zurück nach Reutlingen gehen sollte.

Wir bedanken uns bei unseren Imperatoren Herrn Strauß und Herrn Heuler für die vielen Informationen und Anekdoten zu den Schauplätzen, für die Freiheiten, Freizeiten und auch das ganze Rumgehetze über die Woche, in der wir nicht viel geschlafen, dafür aber umso mehr erlebt haben. Rom 2008 - eine unvergessliche Studienfahrt. La musica è finita.



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Kategorie: Tagebuch